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Grün und Blut

Summary:

Tag 2 der Bowspam-Woche 2026!
Heutiges Thema: Verleugnung/Verweigerung (Denial)

Notes:

Umso mehr Netze (deutsche fanfics) ich auswerfe, desto mehr Fische (deutsche bowspammer) werde ich fangen. Logischer Schluss. Also: mehr.

Work Text:

Die letzten fünf Tage verbrachte Tommy am Rand des Pandora Gefängnisses. Manchmal ging er um das ganze Gebäude herum, aber die meiste Zeit verbrachte er damit, direkt neben dem Eingang an dem Gebäude angelehnt zu sitzen, den Kopf hinter hochgezogenen Knien versteckt.

Vor fünf Tagen erhielten alle dieselbe erschütternde Nachricht.

Dream wurde von Quackity erschlagen.

Es hat alle überrascht. Dream war für den Server eine unmöglich zu tötende Bestie. Ein unsterbliches Monster.

Und jetzt war er tot.

Nach dieser Nachricht hat Sam niemanden mehr in das Gefängnis gelassen. Sapnap hat einen Aufstand gemacht und Sam beinahe umgebracht. George hat sich zum ersten Mal seit Monaten wieder blicken lassen, nur um wieder zu verschwinden, nachdem er sich durch Sams Worte hat versichern lassen, dass die Nachricht stimmte. Puffy hat Quackity das bereits blinde Auge rausgerissen.

Und Tommy?

Tommy hat gelacht.

Er ist aus dem Lachen gar nicht mehr rausgekommen.

Nicht aus Schadenfreude, nein, bei Weitem nicht. Auch nicht, weil er glücklich über Dreams tot war. Im Gegenteil.

Er glaubt es nicht.

Nichts, aber auch wirklich gar nichts, hätte so absurd klingen können, wie die Möglichkeit, dass Dream doch tatsächlich tot wäre.

Er glaubt es immer noch nicht. Fünf Tage später kann er es immernoch nicht glauben. Dream kann nicht tot sein. Das wäre lächerlich. Das wäre mehr als lächerlich.

Dream muss einen Plan gehabt haben. Er hat immer einen Plan. Was auch immer in diesen dunklen, trostlosen Wänden passiert ist… er ist nicht tot.

Deshalb wartet Tommy.

Auch wenn Sam versucht, ihn wegzuschicken, er lässt sich nicht abwimmeln. Irgendwann gibt Sam immer auf. Jedes Mal.

Der sechste Tag bricht an und Tommy sitzt immer noch vor dem Gefängnis. Er kann nicht ganz erklären, warum er das macht. Warum er sich so hierhingezogen fühlt. Aber er weiß, dass er hier sein muss.

Jeden Moment könnte Dream durch das Portal laufen, vermutlich mit Sams Blut an seiner Maske und würde Tommy sagen, wie glücklich es ihn macht, dass Tommy seine Plan erkannt und auf ihn gewartet hat. Dann würde er Tommys Gesicht liebevoll in seine mit Blut verschmierten Händen nehmen und ihn küssen. Und dann würde er ihn mitnehmen und sie könnten alles hinter sich lassen.

Aber langsam schleichen sich Zweifel an Tommy heran. Er versteckt sein Gesicht hinter seinen Knien und kneift die Augen zusammen, um sich vor ihnen zu schützen. Vergeblich.

Was, wenn es doch wahr ist? Was, wenn die Nachricht stimmt, und Quackity hat wirklich Dream umgebracht? Was, wenn Dreams Körper hinter diesen Wänden, hinter dunklem Obsidian und erdrückend heißer Lava in seiner viel zu kleinen Zelle verrottet? (Zu klein für einen Menschen, zu groß für ein Grab.)

Was, wenn Dream doch tot ist?

Die Zweifel fressen ihn von Innen auf, doch bringen sie ihn nicht dazu, seinen Posten zu verlassen. Tränen blühen in seinen Augen bei den Gedanken, doch schüttelt er sie einen nach dem anderen ab.

Dream darf nicht wissen, dass Tommy jemals an ihm zweifelte. Er würde so enttäuscht sein und das könnte Tommy nicht verkraften. Also schüttelt er die Zweifel ab, lenkt sich ab mit den Fantasien wie Dream ihn in seinen Armen halten würde, nachdem er Sam umgebracht hat und aus dem Gefängnis ausgebrochen ist.

Vielleicht sollte Tommy die Zeit produktiver nutzen. Er hat bereits ein geheimes Versteck gebaut, weit vom Server entfernt, welches Dream und er gemeinsam aufsuchen können. Es ist spärlich dekoriert, mehr pragmatisch eingerichtet als für den alltäglichen Gebrauch. Vielleicht sollte er die Zeit nutzen, um es einladender zu machen. Oder um mehr zu bauen, falls das Erste gefunden wird.

Der sechste Tag vergeht, ohne, dass Tommy sich bewegt. Wie angewurzelt, bleibt er am gleichen Fleck. Sam kommt nicht raus. Die Nacht hüllt den Server in Dunkelheit. Tommy fragt sich, ob Dream seinen Plan geändert hat, ohne es Tommy zu sagen.

Die Sterne scheinen hell über ihm, doch er sieht sie nicht.

Ob Dream ihn satt hat? Ob er ihn zurückgelassen hat?

Die Gedanken bringen seine Augen zum Brennen, lassen Tränen wie heißes Feuer über seine Wangen laufen. Doch er bleibt sitzen.

Der siebte Tag bricht an. Die Sonne wandert langsam über den Horizont, und Tommy zuckt. Alles tut weh, doch ist der Schmerz taub und hohl. Er fühlt ihn nicht ganz.

Er sollte aufstehen. Dream wird wohl nicht mehr kommen. Er hat Tommy zurückgelassen.

Langsam befreit er seine Beine von seinem klammernden Griff and hebt den Kopf. Die Sonne scheint durch seine ungewaschenen Haare und blendet ihn. Er kneift die Augen zusammen.

Mit zitternden Händen stützt er sich auf dem Boden und hieft sich langsam nach oben, steht vorsichtig auf. Seine Beine schwächeln unter ihm, aber er stützt sich an der Wand ab. In seinem Geist ist Tommy bereits auf dem Weg nach Hause.

Und dann erstarrt er. Das Schreien des Netherportals neben ihm geht ihm durch Mark und Bein. Jeden Moment erwartet er Sams Stimme, dass er ihm sagt, er solle doch endlich nach Hause gehen.

"Tommy?"

Aber es ist nicht Sam.

Tommys Kopf schnellt zum Netherportal. Grün und rot ist das erste, was er sieht. Grün und Blut.

Dream.

Blut umgibt seinen Mund. Er lächelt.

"Du hast auf mich gewartet." Stolz, Glück, Zuneigung und Staunen.

Binnen einer Sekunde schmeckt Tommy das Blut auf Dreams Lippen.

Er wusste es.

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