Chapter Text
Prolog
Die ersten beiden Dinge, welche Sarah registrierte, als sie wieder zu sich kam waren der Duft nach Krankenhaus und das ihr das Atmen äußerst schwer fiel. Nur schwach konnte sie sich an die letzten Stunden erinnern.
An Peggys entsetztes Gesicht, an ihre Arme die sie vor einem Sturz bewahrt hatten. Danach war alles schwarz geworden.
Mühsam schaffte Sarah es, ihre Augen zu öffnen. Sie nahm die Kabel und Schläuche war, die von ihrem Körper zu Geräten führten und ein seufzen entkam ihren Lippen.
Peggy und Sam hatten sie wohl wieder ins Krankenhaus einliefern lassen. Die neue Chemotherapie schlauchte sie gewaltig und eigentlich machte sie es nur, um Steve zu beruhigen. Den ängstlichen Ausdruck in seinen Augen, als sie ihm gesagt hatte, dass die Therapie nicht ansprach war furchtbar gewesen.
Aber er musste lernen damit zu leben, dass sie nicht immer bei ihm sein konnte. Auch wenn sie es gerne wäre.
Aber sie war Krankenschwester und sie wusste, dass sie mit diesen Werten nicht mehr viel Zeit hatte, vielleicht ein paar Tage oder Wochen.
Sarah wandte den Kopf, als sich die Türe öffnete und eine hochschwangere Peggy eintrat. Ein Lächeln breitete sich auf Sarahs Gesicht aus. Peggy sah wundervoll aus und die Schwangerschaft ließ sie strahlen. Sarah erinnerte sich noch gut an ihre eigene Schwangerschaft mit Steve. Es war eines der schönsten Erlebnisse ihres Lebens gewesen und den kleinen Jungen endlich in den Armen zu halten und sich um ihn zu kümmern. Es war wundervoll gewesen.
Peggy kam zum Bett und ließ eine Hand über Sarahs Wange gleiten. Die beiden Frauen brauchten nicht viele Worte, verstanden sich auch so.
"Wo ist Steve?" Sarahs Stimme klang rau, heiser und leise.
Peggy nickte in die gegenüberliegende Seite und Sarah drehte ihren Kopf in diese Richtung. Steve saß in einem der nahen Stühle, seine Jacke um den dünnen Körper geschlungen, seine Knie angezogen und schlief.
"Er ist kurz nach deiner Einlieferung hier angekommen undnicht von deiner Seite gewichen," erklärte Peggy leise. "Er sitzt seit Stunden hier."
"Ich habe ihm sein Date ruiniert,“ seufzte Sarah.
„Peggy ... wirst du auf ihn Acht geben? Ich habe mehr Angst um ihn, als vor dem was mir bevorsteht. Wird er je darüber hinwegkommen, beide Eltern verloren zu haben? Du musst darauf achten, dass er seine Medikamente nimmt und das er ordentlich isst …"
Peggy setzte sich zu Sarah aufs Bett, nahm ihre Hand in ihre eigene und drückte sie fest.
"Ich werde ein Auge auf ihn haben, zwei wenn ich sie entbehren kann. Er wird es schaffen, da bin ich mir sicher. Ich werde ihn gut beschäftigen. Ich und das Baby. Es ist schade, dass du sie nicht mehr sehen wirst."
Sarah löste ihre Hand aus der von Peggy und legte sie auf den schwangeren Bauch, streichelte sanft darüber.
"Ja, dass ist eine Schande. Sie wird bestimmt zuckersüß sein, wie ihre Mutter. Und so charmant wie Sam. Sag ihr, dass ich sie liebe und das ich gut auf sie aufpassen werde."
In Peggys Augen traten Tränen und sie nickte. Sarah lächelte matt, als Steve ihre Aufmerksamkeit auf sich zog.
"Mom, du bist wach!"
Sie nickte und streckte ihre Hand nach Steve aus.
"Komm her Baby. Leg dich zu mir, du bist immer so schön warm."
Peggy erhob sich von ihrem Platz, während sich Steve aus seiner Jacke und den Schuhen befreite. Peggy küsste Sarah zum Abschied.
"Wir sehen uns morgen Sarah," sagte Peggy.
"Natürlich Liebes."
Peggy verließ die Beiden und Sarah machte für Steve platz auf ihrem Bett. Er schlang seinen Arm um ihren ausgemergelten Körper und küsste sie auf die Stirn. Sarah lächelte sanft, während ihre freie Hand durch Steves Haar glitt, sie ihn fest an sich drückte. Sie wollte ihm die Angst nehmen, sie wollte ihm ein letztes Mal das Gefühl von Sicherheit geben.
Sie hatte alles für ihn geregelt. Die Wohnung würde Steve gehören und auch das bisschen Geld, dass ihre Therapie nicht verschlungen hatte war für ihn auf die Seite gelegt.
"Baby, bleibst du heute Nacht hier?"
"Natürlich Mama, wenn du es willst."
"Das würde ich mir sehr wünschen," antwortete Sarah.
Sie schwiegen eine Weile, ehe Sarah ihren Blick wieder auf Steve richtete. Er wirkte ruhiger und gelassener, wenn auch ausgemergelter, als in den letzten Wochen.
Vor allem nach der ganzen Aufregung heute.
„Steve?“
Der blonde Junge hob den Kopf und sah sie aus den großen verträumten blauen Augen an. Josephs Augen …
„Was ist?“
„Du musst mir etwas versprechen Steve. Hör auf dich ständig in Situationen zu bringen, in denen du verletzt werden könntest. Und ich möchte, dass du dich gut benimmst und dich ein wenig mit um Peggy und das Baby kümmerst, wenn ich nicht mehr da bin … sie wird sich sonst noch übernehmen mit dem Baby und der Arbeit ...“
„Mama ...“
Über Steves Wangen liefen nun ungehalten die Tränen und Sarah zog ihn noch fester in ihre Arme. Sie wiegte ihn sanft hin und her.
Und so sehr Sarah auch versuchte, ihre Krankheit und ihr Schicksal zu akzeptieren. In diesem Moment gab es nichts, dass sie mehr hasste.
=*=
Jeden Tag entfernten die Ärzte nun Medikamente von Sarahs Plan, bis nur noch das Morphin durch ihre Venen gepumpt wurde, um ihr die Schmerzen zu nehmen.
Steve wich nun kaum mehr von ihrer Seite, hatte das Krankenhaus seit ihrer Einlieferung nicht mehr verlassen. Er saß immer auf dem Stuhl neben ihrem Bett, seinen Skizzenblock auf dem Schoß und zeichnete.
Sarah fror am Abend ziemlich und Steve organisierte ihr eine weitere Decke, ehe er zu ihr ins Bett kletterte und sich hinter sie setzte. Seine Arme schlangen sich um ihren zierlichen Körper und er hielt sie fest.
Sarahs infusionsfreie Hand legte sich auf ihre Brust und Steve legte seine darüber. Ihr Kopf war unter Steves Kinn gelehnt und durch die erhöhte Position fiel ihr das Atmen ein wenig leichter.
„Steve?“ Sarahs Stimme war kaum lauter als ein Wispern.
„Ich bin hier Mama ...“
„Baby, du brauchst keine Angst haben, ja? Ich werde immer bei dir sein ...“
Steves Arme schlossen sich noch fester um seine Mutter.
„Ich weiß Mama … ich weiß.“
Steve hielt Sarah dicht an sich gedrückt, während sie in seinen Armen einschlief. Er verbrachte die nächsten Stunden so mit ihr, während ihr Herzschlag immer langsamer wurde.
Gegen drei Uhr morgens starb Sarah Rogers in den Armen ihres Sohnes.
Eine der Nachtschwestern stellte den Herzmonitor ab, ehe sie Steve mit Sarah allein ließ.
„Bye Mama ...“ flüsterte er gegen ihren Hinterkopf. „Sag Daddy 'Hi' von mir.“
