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„Sie haben sich festgeklemmt“, bemerkte Johanna mit heiserem Flüstern.
Kitty, unfähig, den Blick zu fokussieren, hob sich ein wenig und sank wieder zurück auf das zerwühlte und zerbissene Kissen. Johanna atmete schwer aus und spürte, wie ihr Arm taub wurde, in den Schraubstock von Kittys Schenkeln gnadenlos eingeklemmt.
Sie hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht, die Strümpfe auszuziehen. Ohne Strumpfhalter waren sie ihr bis zu den Knien hinabgerutscht und lagen dort in Falten. Nichts Überraschendes. Johanna und Kitty hatten es ja nicht einmal geschafft, sich richtig auszuziehen, woher denn… Johanna leckte sich über die Lippen. Immer noch der Geschmack von Granatapfel.
Sie hätte nichts dagegen gehabt, ihren Arm zurückzubekommen – der Gerechtigkeit halber. Kitty, wie sich herausgestellt hatte, beanspruchte beide für sich, wobei eine Hand ausschließlich der Konspiration diente – als Knebel. Und Johanna betrachtete die Spuren von Miss Berlingtons scharfen Zähnchen auf ihrem Handrücken und überschlug, inwieweit sie sich mit Handschuhen verbergen ließen oder…
Auf den Laken blühten Flecken von Granatapfelsaft. An ihren Fingern übrigens auch. Die Perlenkette aus elf Strängen lag hilflos auf dem Teppich, unter einem hastig abgestreiften Schuh…
Alles hatte mit Architektur begonnen. Oder mit Malerei… Ein Streit über Präraffaeliten, gotische Kathedralen und Schauerromane am Esstisch war zunächst in einen Austausch von Spitzen übergegangen und dann in ein beeindruckendes Wortgefecht. Die letzten Salven der Schlacht waren allerdings von der Kabinentür gedämpft worden, ebenso von denselben Laken und Kissen. Ja, Johanna war es gelungen, Kitty für kurze Zeit zum Schweigen zu bringen, indem sie sie aufs Bett warf; doch sie bereute es augenblicklich, denn Miss große Schauspielerin war ihr mit erstaunlicher Geschicklichkeit sogleich unter den Rock gekrochen.
„Scheint Ihnen das nicht ein wenig… voreilig?“, holte Johanna nach ungefähr einer Viertelstunde Luft, während sie aus Kittys Händen eine Hälfte des aufgebrochenen Granatapfels entgegennahm und bereits begriff, dass es um die schneeweißen Spitzen ihres Unterhemds geschehen war. Um die Laken selbstverständlich auch.
„Keineswegs…“ Kitty wirkte verwundert, doch nicht lange. Auf der Bettkante sitzend, zog sie Johannas Knöchel zu sich heran und spreizte sie auseinander. Woher nahm diese zerbrechliche Dame nur so viel Kraft?..
…und Ausdauer? Diese Frage stellte sich Johanna irgendwo gegen Morgen, während sie schon vollkommen gleichgültig beobachtete, wie sich unter den zerdrückten Granatapfelkernen hellrote Spritzer ausbreiteten. Auf den Lippen – noch immer dieser herbe Geschmack, süßer Saft, Zartheit der Haut, bis ins Blutrot gerötete Brustwarzen und unpassende, unzüchtige Atemzüge. Namen und Geständnisse.
Spuren von Küssen, Striche einer heißen Zunge legten sich dicht, wie Schichten leuchtender Farben auf eine Leinwand, und ließen die Zöpfe der »Ophelia«, die sich über die Laken ergossen hatten, wie Feuer brennen. Sie brannten, um Johannas Hand gewickelt, wenn sie, eine Atempause verlangend, die verärgerte und erhitzte Kitty von sich fortschob.
Und gleich darauf selbst wieder stürzte, mit dem Wunsch zu vernichten. Umzuwerfen, auszustrecken, die Finger tiefer hineinzubohren, wie in die Frucht eines Granatapfels. Unter einem herben, langgezogenen Stöhnen, unter Saft, der auf die Laken spritzte.
„Wir befinden uns erst seit anderthalb Tagen in anstößigen Verhältnissen, und Sie versuchen bereits zum wiederholten Male, mir irgendetwas zu brechen“, beklagte sich Johanna, als Kitty endlich geruhte, die verkrampften Knie zu öffnen, und sie ihren Arm zurückerlangen konnte.
Natürlich konnte Johanna sich nicht beherrschen. Mit bösem Vergnügen beobachtend, wie Kitty sich unter der Berührung bog, strich Johanna, bevor sie die Finger endgültig zurückzog, mit dem Daumen über die feuchte, geschwollene Falte – ebenfalls von einem ganz und gar unziemlichen Granatapfelgeschmack. Sie hatte ihn in allen Nuancen gekostet.
Und entzog ihr rachsüchtig die Hand. Ein enttäuschtes Ausatmen drang vom Kopfende herüber. Kitty wischte das nun überflüssige Kissen beiseite, richtete sich auf die Ellbogen auf und musterte ihre Gegnerin unverwandt.
„Soll ich Ihnen das hier zeigen?“ Mit geöffnetem Mund demonstrierte sie unverzüglich die erhobene Zunge und das eingerissene Zungenbändchen.
Wieder zornig. Gekränkt. Herrlich.
„Wenn man so viel Unnützes redet, kann noch ganz anderes geschehen“, sagte Johanna und hob nur eine Schulter. Aber natürlich konnte sie sich ein abgehacktes Ausatmen nicht verkneifen – der Körper erinnerte sich nur zu gut, unter welchen Umständen Kitty ihre „Belohnung“ erhalten hatte.
„Sie können nun Malerei und Architektur… mit dem Spiegel oder dem Bullauge besprechen! Mir tut das Sprechen weh!“
Johanna lachte, verdrehte theatralisch die Augen und strich zärtlich über das hinabgerutschte Band des Seidenstrumpfs oberhalb von Kittys Knie.
„Welch ein Glück…“
