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Endlich hatten sies geschafft und waren bei der Hütte angekommenen.
Es war nicht ganz einfach gewesen, da hier oben durchaus eine Menge Schnee lag.
Allerdings konnten sie bis auf ein paar wenige 100 Meter mit dem Auto die Bergstraßen hoch fahren. Die restliche Strecke hielt sich Alex mit beiden Händen an Nikos Schultern fest und versuchte der Trittspur zu folgen die Niko im Schnee hinterließ.
Alex hasste Silvester. Die Knallerei war eine Qual und das gleich in doppelter Hinsicht. Sie erinnerte ihn jedes Mal an die Explosion und Karas Tod, seine Erblindung. Und natürlich war das alles schon fast schmerzhaft laut für seine empfindlichen Ohren.
Niko hatte inzwischen die Tür aufgeschlossen und sie traten ein.
Er beschrieb Alex was er sah.
Eine Seite des Raumes wurde fast vollständig von einem offenen Kamin eingenommen.
Neben der Eingangstür stand ein ein kleiner Tisch mit 4 Stühlen. In einer anderen Ecke fand sich noch eine kleine gepolsterte Sitzbank, überhäuft mit einem Berg an Decken und Kissen. Ebenso war noch ein kleiner Küchenholzofen zu finden.
Spartanisch aber gemütlich, befand Niko.
Er legte den Rucksack ab, den er sich ausnahmsweise vorne über die Brust geschnallt hatte, damit Alex sich besser festhalten konnte und startete gleich damit ein Feuer zu machen.
Alex orientierte sich derweil an der Essecke und ließ sich auf einen der Stühle fallen. Er lauschte Nikos Werkeln und hing seinen Gedanken nach. Er wollte eigentlich gar nicht mit, das war alles Nikos Plan gewesen. Die Aussicht darauf blind durch ein unbekanntes Gelände durch den Schnee zu stapfen war nicht gerade verlockend gewesen. Aber wie so oft hatte ihn Niko sicher geführt und er war froh, dass sie jetzt hier waren. Nur er und Niko, keine nervigen Partygäste, die von ihm erwarteten ein guter Gastgeber zu sein, weil er der Hotelerbe Alexander Haller war, keine Verpflichtungen kein gezwunger Smalltalk, da er sich an solchen Tagen eigentlich viel lieber in seinem Zimmer verkriechen würde um der Knallerei irgendwie zu entkommen.
Niko wusste das natürlich und hatte deshalb diese abgeschiedene Hütte organisiert.
Nein das hier war wirklich 1000 Mal besser.
Ein Lächeln huschte über sein Gesicht, als er so da saß, einen Ellbogen auf der Tischplatte und den Kopf in die Hand gestützt.
Plötzlich legten sich zwei warme Hände auf seine Schultern und drückten kurz zu.
"Erde an Alex. Hast du schon Hunger, dann kram ich mal alles aus dem Rucksack."
Alex brauchte einen Moment. Er hörte das Holz knistern, Niko hatte es offensichtlich geschafft ein Feuer zu machen.
Sein Magen grummelte tatsächlich und ihn fröstelte etwas. Hier so nah an der Tür.
"Könnten wir vielleicht näher ans Feuer und dort was essen, mir ist kalt."
Gesagt getan. Eine alte Holzkiste diente als Tisch und die Kissen verteilte Niko auf dem Boden drumherum nahe am Feuer.
Er setzte Alex auf eines der Kissen und legte ihm eine dicke große Wolldecke um, ehe er Wurst, Käse, gekochte Eier, Essiggurken und Brot aus dem Rucksack zauberte.
Sie aßen schweigend. Nur das Knacken des brennenden Holzes war zu hören.
Alex spürte die Hitze des Feuers in seinem Gesicht. Langsam wurde ihm wieder warm.
"Danke"
"Hmm...was?,fragte Niko mit vollem Mund.
"Danke, dass du mich hierher gebracht hast. Weit weg vom Feuerwerk. Weit weg von unsrem Alltag unseren Verpflichtungen, den Erwartungen die an uns gestellt werden. Danke, dass du mir die Möglichkeit geschaffen hast mich hier zu verkriechen. Du bist ein wahrer Freund."
"Eigentlich noch viel mehr als das", fügte er in Gedanken hinzu und spürte wie im das Blut ins Gesicht schoss und er rot wurde. Zum Glück konnte er dafür auch das Feuer verantwortlich machen.
Niko blieb stumm. Allerdings konnte er spüren wie der Körper neben ihm leicht zu zittern begann und vernahm ein leises Schniefen.
Alex legte vorsichtig den Arm um Nikos Schulter und zog ihn an sich.
"Hey... was ist denn los? Hab ich was falsches gesagt?"
Niko räusperte sich. Seine Stimme war noch rauer als sonst. "Nein... im Gegenteil...so etwas schönes hat schon lang keiner mehr zu mir gesagt - eigentlich noch nie." Niko schniefte erneut und drückte sich noch etwas mehr an Alex und legte eine Hand auf dessen Brust.
Alex Brust glühte förmlich. Trotz Pullover konnte er Nikos Hand deutlich spüren. Sein Herz pochte wie verrückt. Sie berührten sich oft, aber das hier war anders. Das schien auch Niko zu begreifen, denn die Hand war so schnell sie gekommen war auch wieder verschwunden.
Alex seufzte innerlich.
Niko löste sich aus der Umarmung und wechselte schnell das Thema.
"Hast du eigentlich Vorsätze fürs neue Jahr." fragte er betont fröhlich. Aber Alex kannte ihn zu gut um nicht zu merken, dass er nicht bei der Sache war.
Ja die hatte er tatsächlich. Aber sollte er es wirklich wagen das hier - wo sie sich nicht aus dem Weg gehen konnten zu offenbaren?
"Ich weiß nicht ob jetzt der richtige Zeitpunkt dafür ist, Niko."
"Wenn nicht jetzt, wann denn dann." ermutigte ihn Niko.
Er hatte ja recht. Alex holte tief Luft.
"Weißt du, bevor du vor zwei Jahren in mein Leben getreten bist, war alles nur noch schwarz und grau. Ich war wütend und traurig zugleich. Ich wollte nicht mehr leben. War harsch und kalt zu meinen Mitmenschen insbesondere zu Sophie. Ich hab alle auf Abstand gehalten.
Durch dich hat mein Leben wieder Farbe bekommen. Es ist bunt und schön und lebenswert, auch wenn ich es nicht sehen kann.
Du hast mir in mehrfacher Hinsicht das Leben gerettet."
"Das hätte doch jeder getan."
"Nein. Das hätten sie nicht. Ja Sophie hats versucht, aber ich habe sie nicht gelassen. So unüberwindbar waren meine Mauern um mich rum.
Aber du hast sie mit einer Leichtigkeit eingerissen. Du bist Schritt für Schritt zu mir durchgedrungen. Und ich kann mir mein Leben ohne dich nicht mehr vorstellen."
"Aber ich bin doch da. Und ich hab nicht vor zu gehen."
"Du verstehst nicht ganz. Gib mir mal bitte deine Hand." Er war jetzt direkt vor Niko gerutscht und sie saßen sich gegenüber. Niko tat wie geheißen. Alex ergriff sie und legte sie auf seine Brust.
"Spürst du wie schnell mein Herz schlägt?
Mein Vorsatz fürs neue Jahr ist es, der für mich wichtigsten Person im Leben endlich zu sagen was ich für sie empfinde. Dass ich mehr für sie empfinde als nur Freundschaft - dass ich mich in sie verliebt habe. Und diese Person bist du."
So jetzt war es raus.Alex hielt den Atem an und wartete auf Nikos Reaktion.
"Bitte sag was."
Alex war verunsichert - als sich plötzlich zwei Arme um seinen Hals legten und die Distanz zwischen ihnen weiter verringert wurde.
Er konnte Nikos Atem auf seinem Gesicht spüren.
"Darf ich dich küssen?" Ihre Gesichter waren nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt und er brachte nur noch ein kurzes Nicken zustande, ehe sich Nikos Lippen vorsichtig auf die seinen drückten.
In Alex explodierte ein Feuerwerk der Gefühle. Ein angenehmes Kribbeln breitere sich in seinem Körper aus. Nikos Lippen waren erstaunlich weich. Ganz im Gegensatz zu seinem Bart. Aber das störte Alex nicht im Geringsten. Er schlang seine Arme um Niko und vertiefte den Kuss.
Gegen diese Art Feuerwerk hatte er nichts einzuwenden. Das würde er gerne öfter verspüren.
Und er freute sich riesig auf die nächsten zwei Tage die sie hier oben zusammen verbringen würden.
