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Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2023-02-12
Words:
3,072
Chapters:
1/1
Comments:
9
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200
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3
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1,194

Gute Nacht

Summary:

Leo übernachtet wieder bei Adam im Wohnzimmer. Als Adam in der Nacht aus seinem Zimmer geschlürft kommt, folgt ein längst überfälliges Gespräch zwischen den beiden.

Notes:

Leo schläft bei Adam auf dem Schlafsofa - diese Szene hat doch förmlich danach geschrien in Fanfiction erweitert zu werden. Also habe ich mir Adam/Leo und die Schlafcouch für den Februar Spatort „fix-it“ Prompt ausgesucht. Tun wir einfach mal so, als wäre Adams Mom für ein paar Tage nicht da und Adam und Leo sind alleine, bis sich das mit dem Überfall geklärt hat…

Work Text:

Leo weiß nicht genau, wie spät es ist, aber es muss schon deutlich nach Mitternacht sein. Seinen Wecker hat er auf 6 Uhr gestellt, damit er noch schnell unter die Dusche springen kann, bevor Adam aufsteht. Selbst nach diesen drei Tagen, die Leo hier bereits übernachtet hat, zeigt sich schon eine gewisse Routine bei den beiden.

Und die Schlafcouch ist gar nicht mal so unbequem wie sie aussieht. Zumindest versucht Leo sich das jede Nacht einzureden, wenn er sich von einer Seite auf die andere dreht.

Aber in seinem gemütlichen Bett zu Hause konnte er bei bestem Willen nicht beruhigt schlafen. Und hier, nur ein paar Meter von Adams Bett entfernt, hatte er nun einmal die Kontrolle und könnte bei jeglichem Notfall eingreifen. Da nimmt Leo lieber ein paar Stunden weniger qualitativen Schlaf in Kauf anstatt sich noch mehr Sorgen um Adam machen zu müssen.

Denn dieser Einbruch bei Adam lässt ihn einfach nicht locker. Adam scheint den Vorfall relativ gut wegzustecken, aber es hätte nun einmal auch schlimmer ausgehen können als mit nur einer Kopfwunde.

Was wäre, wenn. . .

Diese Frage schwirrt beinahe ununterbrochen in Leos Kopf umher. Er wirft die Decke von sich, sodass sie nur noch auf seinen Beinen liegt. Seine Hände wandern automatisch zu seinen Schläfen, wo sich all seine Sorgen versammelt haben. Er versucht vergebens sie wegzukneten.

Ein leises Quietschen lässt ihn aufschrecken. Sein Kopf schnellt automatisch in Richtung Flur zu Adams Zimmer. Kurz darauf ist auch schon das typische Schlürfen von Adams Puschen auf dem Boden zu hören. Mit einem Mal realisiert Leo, wie intim es eigentlich ist, hier auf der Couch zu schlafen, so dicht bei Adam. Leos Herz beginnt zu klopfen und seine Wangen werden heiß. Verräter.

„Na, auch noch wach?“ Adams Stimme klingt wach, zu wach für diese Uhrzeit.

Leo rutscht etwas auf dem Sofa herum und schaut zu ihm hinauf. „Du schnarchst so laut“, sagt er trocken.

Adam schnauft durch seine Nase und geht wortlos weiter zum Kühlschrank. Er nimmt eine Glaskaraffe heraus und schenkt sich ein Glas kaltes Wasser ein. „Möchtest du auch?“

„Ja, gerne“, antwortet Leo, stützt sich auf seine Ellenbogen und richtet sich auf. Adam füllt ein zweites Glas, bevor er die Karaffe wieder in den Kühlschrank zurückstellt, der ihn für ein paar Sekunden in ein schwaches Licht taucht. Seine nackten Beine sehen so kalt aus und Leo verspürt kurz den Drang, Adam in eine kuschelige Decke einzuwickeln und ihn da nie wieder rauszulassen.

Im Dunklen schlürft Adam zurück zu Leo. „Hier“, murmelt er und reicht ihm das Glas. Seine kalten Fingerspitzen streifen über die von Leo.

„Danke.“ Nach einem kräftigen Schluck stellt Leo das Glas auf den Tisch neben sich. Adam steht vor ihm, in hastig übergeworfenem Mantel und mit zerzausten Haaren. Bei diesem Anblick wird es Leo nur noch klarer, wie verletzlich Adam doch ist, erstrecht zu Hause.

Stille umhüllt die zwei, was Leo dieses Mal etwas nervös macht. Dabei hilft es nicht, dass er Adams Augen auf sich spüren kann. Er bereut es, die Decke von sich geworfen zu haben. Zu gerne würde er sich gerade vor Adams bohrendem Blick unter dieser verstecken.

„Was beschäftigt dich, Leo?“ Adams Stimme ist überraschend leise, kaum lauter als ein auffälliges Flüstern.

„Hm?“

Adam fuchtelt mit einer Hand durch die Luft. „Na, es ist halb zwei und du bist immer noch wach. Also–“ Leos Blick folgt Adams dunkler Gestalt, als dieser sein Glas auf den Esstisch hinter sich stellt. „Was lässt dich nicht schlafen?“

Leo schluckt. Der erste Gedanke, der ihm durch den Kopf schießt, ist zu lügen und Adams Frage einfach abzuwinken. Ach, nichts Besonderes. Sowas in der Art. Aber so langsam wird sein Herz nach all diesen angespannten Tagen immer schwerer und seine Ängste größer. Vielleicht ist es an der Zeit, alles offen vor Adam zu legen.

Leo nimmt einmal tief Luft und versucht sich zu sammeln. „Du“, sagt er schließlich und spürt sofort, wie ihm eine Last von den Schultern fällt. „Du lässt mich nicht schlafen.“ Die Worte sind endlich raus, die erste Hürde ist geschafft.

„Ich?“ Selbst in dem schwachen Licht vom Mond draußen erkennt Leo die Überraschung auf Adams Gesicht. „Wieso?“

Wieso?“ Schon brodelt es in Leo hoch. Seine Brust spannt sich, sodass es schlagartig schwer wird zu atmen. Er schüttelt ungläubig den Kopf. „Dass du das überhaupt fragen musst, bestätigt meine Sorgen nur noch mehr.“

Adam runzelt die Stirn und verschränkt seine Arme. Aber solch eine Abwehrhaltung ist schon lange nichts neues mehr für Leo, wenn er ernstere Themen anspricht. „Wie meinst du das denn?“

Leo knipst die kleine Lampe neben sich an, die den Raum in ein weiches oranges Licht einhüllt. Es ist zwar einfacher, manche Unterhaltungen im Dunklen zu haben, aber irgendwie muss Leo Adam jetzt sehen, damit er endlich mal ernst genommen wird. „Du wurdest überfallen, Adam! Und was machst du? Du tust so, als wäre das nichts, als ob dir der Typ keine Knarre ins Gesicht gehalten hat!“

„Wir sind von der Kripo, Leo. Es ist unser Job, Knarren ins Gesicht zu bekommen.“

Leo schnauft und spürt, wie sich Wut unter seine aufkommenden Tränen mischt. „Unser Job, hm?“, fragt er leise. „Und warum war dann jemand hier, bei dir zu Hause? Da meint es jemand persönlich, Adam, doch das scheinst du irgendwie nicht zu kapieren.“

„Natürlich kapier ich das!“, antwortet Adam und macht einen Schritt auf die Couch zu. Er bäumt sich so darüber auf, dass Leo instinktiv etwas zurückweicht. „Ich kapier nur nicht, warum du dich dazu verpflichtet fühlst, hier auf der Couch zu pennen und dich dann zu beschweren. Das war immerhin deine Idee!“

„Weil du nicht sicher vor dir selbst bist“, sagt Leo und sieht anhand Adams gerunzelter Stirn, wie die Worte bei ihm ankommen. „Deshalb habe ich schlaflose Nächte wegen dir, Adam. Hatte ich schon immer, auch früher. Aber seit dem Einbruch, da–“ Leo nimmt einmal tief Luft und hofft, dass sich sein Herz schnell wieder beruhigt. Er weiß, wie sich eine Panikattacke anfühlt. Sowas kann er jetzt absolut nicht gebrauchen. „Ich kann dich nicht alleine lassen, okay? Wenn dir etwas passieren würde–“

„Falls du’s noch nicht mitbekommen hast, Leo, ich bin ein erwachsener Mann. Ich kann jawohl–“

„Du verstehst das einfach nicht!“ Leos Hand hat sich zu einer Faust geballt, seine Knöchel ganz weiß. „Dir ist es offensichtlich egal, ob dir etwas passiert. Aber mir nicht“, sagt er. „Mir nicht, Adam.“ Tränen funkeln in seinen Augen, doch das ist ihm gerade egal. Er spürt, wie sich eine Träne löst und über seine Wange rollt. Er wischt sie mit einem Finger weg und zieht seine Nase hoch. Adams Gestalt vor ihm verschwimmt langsam in eine dunkelblaue, fast schwarze Silhouette.

Das Sofa gibt nach, als Adam sich auf die Kante setzt. Die Schwerkraft zieht Leos Körper ein wenig zu ihm rüber. Er fängt sich mit einer Hand auf, um von Adam Abstand zu halten.

Für eine kurze Weile sind Leos Schniefen und das tiefe Summen des Kühlschranks das Einzige, was in dem Raum zu hören ist. Adams Kopf ist gesenkt, sein Blick auf seine Hände gerichtet, die verschränkt in seinem Schoß liegen.

Leo schaut an Adam herunter, auf seine nackten Beine unter dem Mantel und dann zu seinen vorgezogenen Schultern. Er bleibt an Adams Gesicht hängen, das selbst in dem Schatten gut genug zu erkennen ist. So verloren hat er noch nie ausgesehen.

In Leos Stimme mischt sich Wut und Sorge, als er sich endlich ein Herz nimmt und Adam die Frage stellt, die ihn seit Jahren nicht loslässt. „Wie kann dir dein Leben so egal sein?“

Stille. Es dauert eine Weile, bis Adam seinen Mund aufmacht. „Du weißt ganz genau warum.“

„Ach ja?“, raunt Leo zurück. „Weil du eine scheiß Kindheit hattest und dein Vater dich tagtäglich gequält hat?“ In ihm brodelt es noch immer und er fühlt, wie sich seine Angst in ihm ausbreitet und sich Verhör verschaffen will. „Sag’s doch endlich mal laut!“ Er bereut die Worte schon, bevor sie ihm über die Lippen kommen.

Noch immer weigert Adam sich, Leo in die Augen zu schauen. Sein Atmen ist schwerer geworden.

„Scheiße, ja!“ Adams laute Stimme kommt aus dem Nichts und geht Leo durch Mark und Bein. „Mein Vater hat mich gehasst und ich war nie jemandem wichtig! Ist es das?“ Er dreht seinen Kopf ruckartig zu Leo. Ihre Blicke treffen sich. Blanke Wut und Verzweiflung wüten in Adams Augen. „Ist es das, was du hören willst? Dass es mir deshalb schon immer scheiß egal war, ob ich lebe oder sterbe?“

Noch nie hat Leo Adam so außer sich erlebt – und das sollte was heißen, wo Leo doch damals von seinem Baumhaus aus einen quälenden Drill nach dem anderen von Adams Vater in deren Garten beobachten konnte. Und obwohl die Worte genau das sind, was Leo schon seit Jahren vermutet hat, tut die ausgesprochene Wahrheit nicht weniger weh. Ganz im Gegenteil. Adams Worte bohren sich bis in Leos Herz, wo sie in tausend Stücke zerspringen.

Ohne darüber nachzudenken, streckt Leo den Arm aus und legt seine Hand auf Adams. Sie ist überraschend kalt. Adam zieht sie nicht weg.

Das war eine der Veränderungen, die Leo schon nach Adams Rückkehr sofort bemerkte – Berührungen. Adam schreckte nicht mehr vor ihnen zurück.

„Adam“, beginnt Leo, während Adams letzte Worte noch in seinen Ohren hallen. Scheiß egal. „Du bist mir wichtig. Und ich bin immer noch hier.“

Irgendetwas geht durch Adams Kopf, denn die Anspannung in seinem Körper löst sich beinahe schlagartig. Das letzte Mal, als Leo ihn so gesehen hat, lief er Adam vor knapp einem Jahr am alten Angelplatz entgegen. Es war die pure Erleichterung in Adams Gesicht.

Leo wünschte, es könnte immer so sein. Wenn allein der Anblick von ihm alles besser macht in Adams Welt. Ich bin da und wir stehen das zusammen durch.

Adams Blick landet auf seiner Hand, über die Leos Daumen immer wieder wandert, als hätte er es schon tausendmal getan. „Du bist hier“, wiederholt Adam, so als müsste er sich selbst davon überzeugen. Er dreht seine Hand, sodass sich Leos Handfläche in seine legt.

Das Blut schießt in Leos Wangen und ihm wird ganz warm. Mit zusammengepressten Lippen schaut er dabei zu, wie sich Adams Finger um seine schließen. Zum ersten Mal in dieser Nacht erscheint so etwas wie ein Lächeln in Leos Gesicht. Kaum auszumachen, aber es ist da.

„Solange ich hier bin, bist du nicht allein. Und du warst mir auch schon damals wichtig, sehr sogar. Wann geht das endlich in deinen sturen Kopf rein?“

Adams Griff verengt sich für den Bruchteil einer Sekunde, bevor er seine Hand gänzlich zurückzieht. Wieder bereut Leo seine Worte. Aber es hilft ja nichts. Er schüttet weiter sein Herz aus.

„Ich kann dir nicht mehr Liebe geben als du dir selbst gibst, Adam. Das funktioniert nicht und führt nirgendwo hin. Ich wünschte, du würdest dir selbst wichtiger sein.“

Leos Worte hängen für eins, zwei Sekunden im Raum, bevor Adam tief Luft nimmt und sich auf die Unterlippe beißt – und das kann nur eines bedeuten. Leos Alarmsirenen gehen sofort los. Er kann an einer Hand abzählen, wie oft er Adam weinen gesehen hat.

Der Damm ist gebrochen und Adams Gesicht zieht sich zusammen, als er anfängt zu weinen. Seine Schultern sind wieder nach vorne gezogen und beben auf und ab mit jedem Schluchzen, das sich aus Adams tiefsten Herzen befreit. Seine vorgefallenen Haare verdecken den Blick auf sein Gesicht.

Leo fackelt nicht lange. Er legt eine Hand auf Adams rechte Schulter und zieht ihn zu sich. Sofort schlingt auch Adam seine Arme um Leo. Seine Finger krallen sich in Leos Shirt, ziehen förmlich daran, so als würde er ertrinken und müsste sich irgendwo festklammern.

Es ist nicht das erste Mal, dass Leo Adam so in den Armen hält.

Adam so nah zu haben und sein Wimmern direkt neben dem Ohr zu hören, bricht Leo erneut das Herz. Das hier ist Adam, sein bester Freund seit diesem verhängnisvollen Tag auf dem Schulhof vor gut zwanzig Jahren. Adam, mit den größten Vaterproblemen überhaupt, der immer gerne den Macho raushängen lässt und kein Blatt vor den Mund nimmt. Der gerne auch mal den Lauten macht. Wie ist es möglich, dass er sich plötzlich so klein und zerbrechlich anfühlt in Leos Armen?

„Hey, hey“, flüstert Leo und versucht zu ignorieren, wie Adams Rücken unter seinen Händen bebt. Er streicht immer wieder drüber in der Hoffnung, dass es irgendetwas nützt. Dass Adam sich beruhigt. „Alles okay.“

„Nichts ist okay“, antwortet Adam mit gedämpfter Stimme, sein Gesicht zwischen Leos Schulter und Hals vergraben. Er hebt seinen Kopf ein bisschen an und wischt sich über die Augen. „Was denkst du, warum ich mir mitten in der Nacht ein Glas Wasser hole? Ich kann doch auch nicht schlafen.“

Scheiße, denkt sich Leo. Oder er sagt es laut, er weiß es nicht. Er hält Adam einfach nur fest.

Es vergehen Sekunden, Minuten, vielleicht auch eine Stunde. Ohne genau zu wissen, was er nun noch sagen soll, tut Leo alles, was er in dem Moment für Adam tun kann, und das ist einfach nur da zu sein. Adams Rücken bebt nicht mehr, doch ab und an zieht er seine Nase hoch und reibt sich über das Gesicht. Die Tränen scheinen weniger zu werden.

Langsam lockert sich auch Adams Griff von Leos Oberteil. Als er sich zurücklehnt und gerade hinsetzt, vermisst Leo sofort die Wärme, die Adams Körper ausgestrahlt hat. In dem schwachen Licht sind Adams Augen ganz rot und aufgequollen.

„Was auch immer gerade los ist, Adam, du musst da wirklich nicht alleine durch“, flüstert Leo, und Adam schaut ihn direkt an.

Für einen kurzen Moment treffen sich ihre Blicke. Es liegt immer noch viel Ungesagtes zwischen den beiden – das ist allein in ihren Augen zu sehen. Aber für hier und jetzt scheint es erst einmal genug. Leo fühlt sich, als könne er endlich wieder atmen, als er ein verstohlenes Lächeln auf Adams Lippen sieht.

Doch das hält leider nicht lange an. Sofort verfinstert sich Adams Gesicht wieder und er meidet Leos Augen. Sein Blick ist erneut auf seine Hände gerichtet, und er druckst herum. „Ich hab mir das alles selbst eingebrockt, Leo.“ Und weil er weiß, dass Leo ihn ratlos anschaut, fügt er hinzu: „Den Überfall. Ich bin selbst schuld.“

„Quatsch“, sagt Leo sofort, doch ein kleines Fünkchen Misstrauen schwingt mit in seiner Stimme.

Adam seufzt. „Ich–“, beginnt er. Seine Stimme zittert und es klingt kurz so, als würde er wieder zu weinen anfangen. Er holt einmal tief Luft, wartet einen Moment und atmet wieder aus. „Es ist einfach Scheiße, Leo. Und ich weiß noch nicht, wie tief ich da drinstecke.“

Leo weiß ganz genau, dass Adam ihm etwas verheimlicht. Er weiß aber auch, dass Adam weiß, dass er sich immer auf Leo verlassen kann. Und vielleicht ist es nun einmal an der Zeit, auch Adam zu vertrauen und ihn sein Ding machen zu lassen. Solange das Geheimnis Adam nicht noch mehr verletzt.

„Kommst du damit erst mal alleine klar?“

Adam nickt, wenn auch etwas zaghaft. „Ich glaube schon.“

„Und wenn nicht, dann sagst du’s mir, verstanden?“ Keine Antwort. Adam schaut ihn noch nicht einmal an. „Verstanden?“, wiederholt Leo.

Dieses Mal ist Adams Nicken deutlich. „Ja.“

„Gut.“

Adam kaut auf seiner Unterlippe und sieht aus, als würde er am liebsten davonrennen, doch das hat ihm auch damals nicht wirklich geholfen. Er bleibt sitzen, seine Knie gegen Leos Oberschenkel gelehnt. „Du, Leo?“, fragt er leise und dreht sich nach rechts. Er legt seine Hand auf das Kopfkissen und fährt mit den Fingern das Muster ab. „Ich liebe dich“, sagt er dem Kissen.

Es sind nur drei Worte, doch diese legen sich wie eine warme Hand auf Leos Herz. Adam starrt noch immer nach unten, was eigentlich so gar nicht seine Art ist, also beugt Leo sich vor und platziert seine Hände an Adams Wangen. Er zieht Adams Kopf zu sich mit etwas mehr Schwung als beabsichtigt, doch das kann ihm niemand übel nehmen in dem Moment.

Adam lässt seinen Körper einfach fallen und folgt Leo. Mit einer Hand an Adams Hinterkopf zieht Leo ihn noch weiter zu sich, bevor er blonde Strähnen aus Adams Gesicht streift und ihm einen Kuss auf die Stirn gibt. Als Leos Daumen über Adams Wange wandert, hebt dieser langsam seinen Kopf an.

Ihre Blicke treffen sich für den Bruchteil einer Sekunde, dasselbe Funkeln in den Augen.

Dann küsst Leo Adam endlich auf den Mund. Er spürt, wie sich etwas in seiner Brust zur Ruhe legt, das dort schon lange ziellos rumgeirrt ist. Leo fühlt Adams warmen Atem auf seiner Haut, Bartstoppeln an seinem Kinn und unter seinen Fingerspitzen. Eine Hand von Adam landet auf seiner Hüfte. Leo ist auf einmal ganz heiß.

Und auch wenn sich Leo das hier schon seit Jahren gewünscht hat, weiß er genau, dass das hier kein Kuss ist, der zu mehr führt, zumindest nicht hier und jetzt. Es ist einfach nur ein Kuss – eine Bestätigung, ein Ausdruck von jahrelang unterdrückten Gefühlen. Ein Versprechen.

Als sich Leo von Adam löst um Luft zu holen, hört er ihn seufzen und muss grinsen. „Du bist ein Idiot“, flüstert er und legt seine Stirn gegen Adams. „Aber ich liebe dich auch.“

Dieses Mal ist es Adam, der Leo zu sich zieht und ihm den Atem raubt.

Eine gefühlte Ewigkeit später liegen beide nebeneinander auf der Couch, Arme und Beine verknotet, sodass man nicht mehr erkennt, wo Adam beginnt und Leo aufhört.

„Schläfst du jetzt hier?“, fragt Leo in die Stille.

Adam zieht seine Augenbrauen hoch. „Problem?“ Er richtet sich etwas auf, um sich endlich den Mantel auszuziehen. Mit einem genüsslichen Schmunzeln und Zwinkern in Leos Richtung lässt er ihn zu Boden fallen.

Leo verdreht seine Augen und schnauft. Aber er liebt es, dass diese Seite von Adam nur ihm gehört. „Eben hast du noch geweint und jetzt machst du einen auf sexy?“

„Tu mal nicht so. Du hattest auch Tränen in den Augen“, kontert Adam. „Und als ob dir das hier nicht gefällt.“ Er greift nach der dünnen Sommerdecke und legt sie über seine und Leos Beine.

Leo muss wieder grinsen. „Wir haben nur noch vier Stunden bis zum Wecker“, sagt er, in der Hoffnung, dass Adam ihn nun auch endlich schlafen lässt. Ansonsten muss er sich bei der Arbeit wieder eine Lektion von Pia anhören.

„Na dann“, antwortet Adam und zwinkert ihm noch einmal zu. „Gute Nacht.“

„Gute Nacht“, antwortet Leo. Er beugt sich vor und gibt Adam noch einen Kuss, zuerst auf den Mund und dann mitten ins zerzauste Haar – denn sowas kann er nun tun.