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Eine Nacht voller überflüssiger Gedanken

Summary:

Kapitel fünf, Paul kann sich nicht direkt dem Moment wenden.

Notes:

(See the end of the work for notes.)

Work Text:

In gewisser Weise sind wir mit Kat komplett unterschiedlich. Manchmal kommt mir aber der Gedanke — ist es nun wirklich so? Als Soldat kann man sich so viel wie man will ein schönes weiteres Leben einreden, mit friedlichen Tagen, grünen Wiesen voller Blumen, Mädchen, die dort die Wäsche aufhängen und in ihrem Leben niemals eine Granate gehört haben, mit so einer zarten, weißen Haut, dass man gleich sieht, unter ihre Fingernägel gelang nie etwas außer goldenem Sand von sauberen Stränden mit durchsichtigem, glänzendem, lauwarmem Wasser. Und ohne einzelnen Gedanken an den Schrecken und Schmutz des Krieges. Aber eigentlich kann man sich seine Kopfhaut ohne Läuse nicht mehr vorstellen, genau so wenig, wie ein neues Hemd. Früher, als ich noch das Glück hatte, unter Kantoreks Aufsicht eine Klasse zu besuchen und für Tests zu lernen, wäre mir von der Perspektive, mit Ratten mein Essen zu teilen, schlecht. Doch was macht es für mich jetzt aus? Was bringt mir mein ehemaliges Getrödel mit Büchern und ein gutes Zeugnis, hier, im Krieg, wenn ich doch jeden Moment um etwas kämpfe, von was ich keine Ahnung habe? Was ist der Zweck in einem Skat-Spiel, wenn alle blind sind? Uns persönlich wird's nichts bringen, ob jetzt Deutschland oder Frankreich recht hat. Das einzige, was uns nach dem Krieg trifft, — falls wir nicht tot in Gräben liegen bleiben, ob verblutet, abgeschossen oder erstickt — ist das Aufwachen nach jenem Lärm. Vielleicht sogar nicht von einem Albtraum.

Aber was bringt auch die Realisation, wenn sie nichts ändert? Verderbe ich meinen Körper auch so nicht mit Zigaretten? Ohneweg empfinde ich als größtes Glück im Leben einen friedlichen Abend mit Proviant, was nicht nur aus Brot besteht. Was braucht man sonst als Soldat? Frieden kann man sich trotzdem nicht mehr vorstellen, da ändert sich nichts, also reicht ein Gänsebraten vollkommen aus. Schließlich werde ich mich vorallem an den Geruch von gebratenem Fleisch und das Gefühl von Fett an meinen Fingern erinnern. Vielleicht noch an die zarte und weiche Textur oder an Stanislaus Katczinsky, mit seinen hängenden Schultern und seiner eckigen Gestalt, wie er vorsichtig und schweigend die Gans wendet.

Schließlich waren wir uns nicht mehr so verschieden — ob zwanzig Jahre oder vierzig, wir kannten doch eh nur noch den Krieg, nur er war relevant. Ich selbst kam mir schon vor, wie ein alter Mann, ein zerfallender Körper, und nicht wie neunzehn. An den Anblick eines Skellets im Spiegel, mit hervorstechenden Rippen und schmalen Schultern, habe ich mich schon längst gewöhnt, nicht, dass jemand von uns anders aussah. Kaum zu glauben war, dass ich vor einem Jahr noch in einem Federbett schlief. In unserem Haushalt war nicht viel Geld zu finden, jedoch saubere Sachen und einen Dach über'm Kopf hatte ich immer. Es war also das gleiche für jeden: deswegen sollte man auch nicht tief nachdenken, sondern sich ablenken lassen, solange es möglich war. Tut ja auch nichts, da kommt man auch nicht unbedingt lebendig wieder 'raus aus dem Krieg.

Deswegen bleibt mir nichts anderes, als Kat anzustarren, der gerade die Gans begießt. Schlafen kann ich eh nicht.

Notes:

ich habe wirklich nicht damit gerechnet, so ein essay zu schreiben, aber ja, hier. diese szene war mir echt zu viel, ursprünglich sollte dies eigentlich m/m werden, das konnte ich mir nach einem absatz dabei doch nicht mehr vorstellen, weil... im westen nichts neues ist auch so ein sehr schweres werk, und die schon existieren fanfictions mit jeglicher anspielung auf romanze kamen mir schon vorübergehend unpassend vor. ich bin schon der meinung, dass der inhalt vom geschriebenen meine deutschlehrerin äußerst interessieren würde, deswegen würde ich mich bei kommentaren (nicht von ihr) auch sehr freuen.
BTW: ich war 16, als ich das geschrieben hab. nur so ein kleiner flex