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Characters:
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Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2023-01-06
Completed:
2024-01-28
Words:
87,831
Chapters:
60/60
Kudos:
331
Bookmarks:
28
Hits:
7,890

Manche Chancen bekommt man kein zweites Mal

Summary:

Ihre Schulzeit ist zu Ende. Justus, Peter und Bob werden ihr Studium in L. A. beginnen. So der Plan. Aber Pläne können sich ändern. Und manchmal läuft das Leben anders, als geplant. Doch es gibt Fragezeichen, die einen nicht so einfach loslassen – mit allen Konsequenzen.

Chapter 1: Teil I - Kapitel 1

Chapter Text

„Da da daa da da.“ Bob war auf die niedrige Mauer neben Peter gestiegen und lief nun leicht schwankend auf Augenhöhe neben ihm her. „Waren die Rocky Peaches nicht einfach spitze, Peter?!“ Mit einem Strahlen in den Augen fing er an zu singen: „Will this life ever be good enough?“ Ein Lied, das Peter heute zum ersten Mal gehört hatte und das bei der Menge super angekommen war. Bob breitete die Arme aus und sog die kühle Nachtluft durch die Nase ein.

Peter lachte. „Ja. Ja, das waren sie.“ 

So euphorisch erlebte man Bob selten. Eigentlich schafften es nur seine Lieblingsbands, ihn in so eine Stimmung zu versetzen. Und der Alkohol mag heute auch seinen Teil dazu beigetragen haben. Natürlich hatte Peter nicht mitgezählt, aber ein paar Drinks werden es für Bob schon gewesen sein. Am Getränkestand hatte sich niemand für ihre Ausweise interessiert. Peter selbst machte sich nicht viel aus Alkohol. Sein Bier hatte er im Laufe des Abends irgendwo hingestellt und dann vollkommen vergessen. 

Bob hatte seinen Kopf in den Nacken gelegt, um den Sternenhimmel zu betrachten. Fehlte nur noch, dass er anfing, sich um sich selbst zu drehen und die Mauer entlangzutanzen. Die Vorstellung brachte Peter erneut zum Lachen. Er behielt Bob aufmerksam im Auge; bereit, ihn aufzufangen, falls er seinen nächsten Schritt versehentlich neben die Mauer setzen sollte. 

 „Justus hat mal wieder echt was verpasst,“ behauptete Bob.

 „Das wird er nicht so sehen. Just fühlt sich halt nicht besonders wohl an Orten, an denen laute Musik gespielt wird.“

 „Ja ja, ich weiß. Manchmal weiß er eben einfach nicht, was gut ist.“ Bob grinste und kam zum Stehen. Die Mauer war zu Ende und er griff nach Peters Schulter, um auf den Gehweg zu springen. Er landete direkt auf Peters Fuß. 

Peter verzog vor Schmerz das Gesicht und biss die Zähne zusammen. „Mhhh.“

 „Aah, sorry, Peter! Tut mir echt leid!“ Bob sah ihn mit schuldhaftem Blick an und seine Euphorie begann sichtlich zu schwinden. Irgendwie bedauerte Peter das. Er bemühte sich zu lächeln.

 „Geht schon wieder.“ Es stimmte; der Schmerz ebbte bereits ab. „Wird Zeit, dass wir zum Auto kommen.“

 Sie hatten relativ weit weg vom Strand geparkt. Alle Parkplätze waren aufgrund des Konzerts schon voll und alle Haupt- und Nebenstraßen in unmittelbarer Strandnähe ebenfalls zugeparkt gewesen. Drei Straßenecken weiter hatten sie Peters MG schließlich erreicht. Sobald sie eingestiegen waren, schloss Bob die Augen und summte wieder lächelnd ein Lied der Rocky Peaches. Peter legte den ersten Gang ein und fuhr los. Das Radio ließ er die Fahrt über ausgeschaltet. 

 

„Bob, wach auf. Wir sind da.“ Peter parkte den MG auf dem Hof der Andrews. Bob war während der Fahrt eingeschlafen und schnarchte leise vor sich hin.

„Bob, hey.“ Peter stupste ihn an. „Wach auf. Hey!“ Bob rührte sich nicht. „Das ist doch jetzt nicht dein Ernst…“ 

Seufzend ließ Peter sich in seinen Sitz zurücksinken. Er drehte den Kopf zur Seite und betrachtete den schlafenden Bob eine Weile nachdenklich. Seine Lippen waren leicht geöffnet, einzelne Haarsträhnen seiner sorgfältig gestylten Frisur fielen ihm in die Augen. 

„Oh Mann…“ Peter stieg aus dem Wagen, öffnete die Tür zur Beifahrerseite und durchsuchte Bobs Gürteltasche nach seinem Haustürschlüssel. Das Klimpern des Schlüsselbundes sorgte dafür, dass Bob halb die Augen öffnete.

 „Sind wir schon da?“, fragte er verschlafen. 

„Gerade angekommen,“ sagte Peter und beugte sich über ihn, um ihn abzuschnallen.

„Ich bin so müde.“ Bob setzte langsam erst den einen, dann den anderen Fuß aus dem Auto.

„Ja, und betrunken, mein Lieber.“ 

„Mhm…“

Peter schüttelte leise lachend den Kopf und griff Bob unter den Arm, um ihn zu stützen. Gemeinsam erklommen sie die Stufen zur Haustür und Peter drehte möglichst vorsichtig den Schlüssel im Schloss.

 „Sind deine Eltern zu Hause?“, fragte er, bekam allerdings keine Antwort. Er versuchte, möglichst wenig Lärm zu veranstalten, doch Bob torpedierte dieses Vorhaben, indem er die Treppe zu seinem Zimmer nicht gerade auf Samtpfoten hinaufstieg. Da es keinen Sinn hatte, Bob zu ermahnen, sparte Peter sich das. Er war froh, als sie endlich Bobs Bett erreichten, in das dieser sich zielsicher fallen ließ. Bob grinste zufrieden, als er seine Bettdecke über sich zog.

 „Du kannst auch einfach hier schlafen,“ murmelte er, die Augen schon wieder geschlossen. 

 „Nein, ich fahre.“

 „Wie du meinst.“ Bob gähnte.

Bevor er ging, legte Peter noch das Schlüsselbund auf Bobs Schreibtisch. Gerade als er das Zimmer verlassen wollte, hielt Bob ihn zurück: „Hey, Peter!“

 „Hm?“ Peter wandte sich um. Bob sah ihn an und lächelte glücklich.

„Danke! Auch dass du heute mitgekommen bist.“

 Peter lächelte zurück. „Immer doch.“ Er hob noch einmal die Hand zum Abschied und verließ dann möglichst leise das Haus, um sich auf den Weg in sein eigenes Bett zu machen. 

Bobs Lächeln würde ihn heute noch in den Schlaf begleiten.