Chapter Text
Mit einem Seufzen ließ Elon seinen schweren Schulranzen auf die Bank fallen und setzte sich daneben. Er hatte Glück, dass der letzte Tisch noch nicht besetzt war und er sogar einen Platz an der Bank über der Heizung ergattern konnte. Elon schloss die Augen und mummelte sich in seinen dicken Mantel.
Eigentlich kam ihm die Freistunde ganz gelegen; er hatte eine Dreiviertelstunde frei und konnte endlich seine Augen etwas ausruhen, sie brannten nämlich ein wenig. Es war definitiv keine gute Idee gewesen, die Nacht durchzumachen.
Es wäre natürlich von Vorteil gewesen, wenn Herr Bosich die Sechste Stunde auch noch freigegeben hätte, anstatt für die fünfundvierzig Minuten noch Unterricht zu halten, beidem eh nicht viel herauskommen würde, so wie er ihn kannte mit seinen ausschweifenden Erzählungen über sein ach so interessantes Privatleben. Doch mal davon abgesehen, wäre der Versuch ihn dazu zu überreden, die letzte Stunde entfallen zu lassen, die reine Qual und praktisch unmöglich. Also versuchte Elon sich nicht mehr mit dieser unlösbaren Problematik zu befassen und öffnete seine Augen wieder, als er hörte, wie sich jemand auf die Bank gegenüber von ihm setzte.
„Hey, Elon“, grüßte ihn Niel, sein Klassenkamerad und Banknachbar in Ethik.
„Was machst du denn hier unten in der Aula? Können wir nicht hoch ins Klassenzimmer?“ fragte Niel, als er nicht sofort antwortete. Elon verstand im ersten Moment nicht genau, was er meinte, was mitunter daran liegen könnte, dass er nicht wirklich zugehört hatte.
„Wieso willst du denn jetzt schon ins Klassenzimmer?“ Fragte Elon zurück nach einer kurzen Weile, die er brauchte, um sich irgendetwas aus den in seinem Hirn noch hängengebliebenen Worten zusammenzureimen.
„Da ist es deutlich ruhiger wenn wir nur zu zweit wären, außerdem glaube ich, dass ich dort viel besser lernen könnte als bei dem Lärm hier,“ erwiderte Niel und deutete auf die anderen Schüler aus ihrem Kurs, die um die restlichen drei Tische herum lungerten; die eine Hälfte lauthals diskutierend, die andere über ihren Aufzeichnungen brütend. Für einen Moment blieb Elons Blick an den Jungs am Ersten der in einer Kurve entlang der Fensterwand aufgestellten Tische hängen, bevor er sich wieder zu Niel wandte.
„Stimmt, da hast du recht, aber ich glaube, dass inzwischen eh kein Lehrer mehr dort ist, die Pause ist ja auch schon seit fünf Minuten zu Ende. Und ganz ehrlich...“, Elon schloss kurz seine Augen und legte seinen Kopf in den Nacken, „...ich hab keine Lust, jetzt da hoch zu latschen. Außerdem wurden doch noch nicht alle ausgefragt, dachte ich.“
Niel seufzte und fing an, in seiner Tasche rumzuwühlen, die er zuvor vor sich auf den Tisch gelegt hatte. „Sag mal, schläfst du im Unterricht? Herr Bosicht hat doch letzte Stunde die letzten beiden Übrigen abgefragt, und fängt heute wieder von vorne an,“ sagte Niel kopfschüttelnd und legte sein Ethik Buch vor sich, nachdem er seine Tasche auf die Seite geschoben hatte. „Aber gut, wenn du nicht hoch gehst, dann bleib ich auch hier,“ fügte er hinzu, während er im Buch blätterte, um die richtige Seite zu finden.
Ein müdes Lächeln war das einzige, was Niel als Antwort bekam. Normalerweise störte Elon Niels Gesellschaft nicht im Geringsten, doch heute wollte er einfach nur seine Ruhe haben; er war zu müde um sich mit irgendjemanden abzugeben und bereute es, gestern darauf bestanden zu haben noch eine letzte Runde zu spielen, um sich bei Niel für seinen erlogenen Sieg zu Revanchieren. Er hätte ja nicht ahnen können, dass es sich so in die Länge zieht...Okay, doch....Eigentlich wusste Elon ganz genau, wie sehr Niel es genießt zu Gewinnen und deshalb auch alles daran setzt es so kompliziert wie Möglich zu gestalten um ihm den Sieg zu verwehren. Wäre er nicht so dickköpfig gewesen, hätte er erkannt, dass er ihm genau in die Arme rennt...diesem Idiot von Freund.
„Ist was?“ Eine amüsierte Stimme holte Elon aus seinen Gedanken wieder ins Jetzt und als er blinzelte, fokussierte sich sein Blick auf Niels Gesicht, das ihn belustigt ansah.
„Hm ?“ Murmelte er leicht verwirrt und lehnte sich nach vorne auf den Tisch, um seinen Freund besser hören zu können.
„Bin ich denn so attraktiv, dass du den Blick gar nicht von mir ablassen kannst?“ Fragte Niel mit einem vielsagenden Grinsen und zog die Augenbrauen hoch, womit er Elon ein leises Lachen entlockte. Er setzte sich kopfschüttelnd wieder aufrecht. Eigentlich war Elon solche Kommentare ja gewohnt, jedoch kam das jetzt doch etwas aus dem Nichts, was wiederum an dem mangelnden Schlaf liegen müsste (er konnte ja kaum seine Augen offen halten).
„Ja,“ erwiderte Elon lediglich und seine Lippen formten sich zu einem Lächeln, während er seine Position auf der Bank änderte und den Rücken an die Säule lehnte, um seine Beine auf die Bank zu legen.
„Hm? Was war das?“ hakte Niel nach und Elon konnte sein Grinsen förmlich hören. Niel hatte die Hand gegen seine Wange gestützt und beobachtete Elon mit schelmisch funkelnden Augen. „Könnte es etwa sein...Willst du mir damit was sagen?“
Elon hauchte ein leises Lachen und verdrehte die Augen, als Niel auch noch begann, seine Brauen zu wackeln und mit Daumen und Zeigefinger an seinem Kinn herunter zu streichen, als hätte er einen langen Bart. Als Elon ihm lediglich ein verschwörerisches Augenzwinkern zuwarf und sich seine Augen schließend wieder abwandte, stieß Niel atemlos und viel zu theatralisch ein Seufzen hervor. „Oh mein Gott, heißt das jetzt etwa, dass ich mich zuhause verbarrikadieren muss, um deinen dreckigen Pfoten zu entkommen! Ahh, verdammt sei mein unwiderstehlicher Charme, ich werde wohl nie wieder einen Schritt vor die Tür setzen können!“
Ein Lächeln konnte Elon gerade noch so zurückhalten, als Niels verzweifeltes Gejammer und gespieltes Selbstmitleid an seine Ohren drang. „Du vergisst, dass ich von der Veranda aus über die Pfosten in dein Zimmer klettern kann. Also nicht wundern, wenn ich mal mitten in der Nacht in dein Bett schleiche, Schnuckiputz,“ murmelte Elon mit einem leisen Lachen zurück und verschränkte seine Arme vor der Brust, um sich bequemer an das Fenster lehnen zu können. Ein entsetztes Stöhnen folgte dem leichten Vibrieren des Tisches, bevor Niel ungläubig erwiderte: „Nein...Du würdest es nicht wagen...“ .
„Oh, Niel,“ hauchte Elon und öffnete ein Auge, nur um Niels lächerlich, in Fassungslosigkeit verzogenes Gesicht präsentiert zu bekommen, sodass er sich zusammenreißen musste bevor er weiter flüstern konnte, „für dich würde ich ganze Ozeane überqueren. Da sind die zwei Straßen die uns trennen doch nichts.“
Niel blinzelte und für einen kurzen Moment sah er Elon lediglich an und obwohl kein einziger seiner Gesichtsmuskeln auch nur zuckte konnte er fühlen wie Niel vergebens versuchte nicht zu reagieren bevor er lauthals prustend los lachte und auch Elon sich ein Grinsen nicht verkneifen konnte. „Ach du heilige Scheiße, Junge! Ich frag mich immer noch, wie du nicht ins Theater genommen wurdest. Egal wie kitschig oder klischeehaft die Lines sind, du kriegst mich jedes Mal mit deinen verfickt guten Schauspielkünsten, Elon,“ brachte er keuchend hervor nachdem sich sein Lachkrampf wieder gelegt hatte. „Hmm,“ machte Elon nachdenklich und schloss sein Auge wieder. „Schon mal darüber nachgedacht, dass es gar nicht gespielt sein könnte? Vielleicht meine ich es ja auch ernst...“
„Hmm...“, machte Niel ihm nach und für eine Weile sagte er nichts, als würde er ernsthaft darüber nachdenken. Bevor er aber antworten konnte, ertönten Schritte die sich auf ihren Tisch zu bewegten und stehenblieben, als ein „Hey, Niel,“ die Stille zwischen ihnen unterbrach. Elon machte sich nicht die Mühe die Augen zu öffnen, da er anscheinend eh nicht gebraucht wurde, und außerdem schon viel zu eingelullt von der sanften Wärme der Heizung war um sich auch nur einen Zentimeter zu bewegen.
„Du bist doch mit Levi in einer Klasse nicht?“
„Ja, wieso?“
„Ah, da fragt jemand nach ihm, hast du'n Plan wo der ist?“
„Ähh...also eigentlich müsste er jetzt schon Unterricht haben, wir sind nicht im selben Ethik Kurs, aber ich glaube die haben irgendwo im ersten Stock. Wenn's wichtig ist, frag mal Julia oder so, weil welches Zimmer weiß ich auch nicht, sorry, Mann.“
„'kay, danke.“
Das war alles was Elon von der kurzen Konversation mitbekam, und inzwischen war er an dem Punkt angelangt, dass der Klangteppich in der Aula ihn weitgehend, wie ein Schlaflied, nur noch müder machte, weshalb er nicht im geringsten überrascht war als er nach gefühlt Sekunden durch eine Hand auf seiner Schulter die ihn sanft schüttelte, auffuhr. Er blinzelte einige Male, um seiner verschwommenen Umgebung Klarheit zu verschaffen und hob seinen Kopf von der kalten Scheibe, die durch seinen Atem leicht angeschlagen war.
„Hey du Schlafmütze,“ grinste Niel ihm entgegen und richtete sich wieder auf, als Elon die Stirn runzelte. „Jetzt mach doch nicht so ein Gesicht, Mensch! Da ist man einmal so nett und lässt ihn bis zum Gong schlafen und der junge Herr muss auch noch mürrisch dreinblicken.“
„Halt 's Maul, du Idiot,“ murmelte Elon mit heiserer Stimme und drückte sich vom Fenster, um seinen Rucksack auf den Rücken zu heben.
Ein „Ey,“ hallte durch die inzwischen leere Aula, als Niel seine Hände in die Hüfte stützte und sich über den Tisch hinüber zu Elon lehnte. „Wenn ich dich nicht geweckt hätte, dann würdest du jetzt immer noch schlafen und hättest die ganze Stunde verpasst, du unverschämter Bastard!“
„Ja, ja und wenn du nicht aufhörst herumzualbern kommen wir wirklich zu spät, Prince Charming,“ erwiderte Elon seufzend und stand mit einem Ächzen ebenfalls auf, um Niel in ihr Klassenzimmer zu schleppen bevor das ganze eskalieren konnte.
„Ist ja gut, ist ja gut,“ beschwichtigte sein Freund ihn und ließ sich protestlos mitziehen, nach einem vor sich hin geraunten „Ich bin ja nicht derjenige, der am Arsch sein wird, wenn er ausgefragt wird...“.
Es war am Ende Niel, der ausgefragt wurde, und nachdem sogar Adi, der letzte von dem man erwartet hätte, dass er vorbereitet in eine Stunde kommt, alle Fragen zum ersten Teil der Ausfrage richtig beantworten konnte, schaffte Niel den zweiten ebenfalls ohne Schwierigkeiten. Auch der Rest der Stunde verlief, wie erwartet, nicht mit lebhaften Diskussionen über die Philosophie des Glücklichseins, sondern mit der Geschichte, wie es dazu kam, dass Herr Bosichts Tochter einmal fast mit Malaria angesteckt wurde. Immerhin vergingen die 45 Minuten so relativ schnell und sie wurden nach einer Mahnung, ja nicht die Hausaufgaben und die Klausur in drei Wochen zu vergessen, in die Winterferien entlassen.
Nach gefühlt einer Ewigkeit von „Schöne Ferien.“ oder „Lass' an Silvester Feiern gehen.“ und „Hast du Zeit in der zweiten Woche?“ hatten sie es dann auch endlich in die Aula geschafft. Elon war gerade dabei mit halbem Ohr Niel zuzuhören, der entschieden deutlich zu enthusiastisch über seine Vorsätze für die Ferien, die zu Elons Leid zum größten Teil auf seiner Präsenz aufgebaut waren, vor sich hin erzählte, als sein Handy in der Manteltasche vibrierte. Seufzend beschleunigte er sein Tempo etwas, um es aus dem Gebäude zu schaffen, bevor der Anrufer auflegte, während Niel hinter ihm herlief, um zu ihm aufzuholen.
„Was ist den los?“ fragte er, woraufhin Elon sein Handy heraus fischte. „Meine Mom ist los.“
Er hörte noch ein leises Lachen, bevor er abnahm und sich an die zugeschneite Bank neben der Eingangstür lehnte. „Hey, Schatz ich bin's. Sag mal, du müsstest jetzt aus haben, nicht? Könntest du dann vielleicht auf dem Weg noch etwas Brot kaufen und...“, eine kurze Pause gefolgt vom Geräusch einiger Schritte und dem Öffnen des Kühlschranks, „...Tomaten bräuchten wir auch noch. Der Supermarkt ist ja nicht weit, also solltest du nicht lange brauchen. Komm danach aber bitte direkt nach Hause, ja? Ich muss nämlich gleich los und...“ Elon seufzte zum wahrscheinlich tausendsten Mal heute und konnte nur hilflos mit anhören, wie sie anfing ihre Pläne für den Abend aufzulisten, ohne dass er auch nur ein einziges Mal dazwischen reden konnte. Als er einen Blick auf Niel warf hatten sich zwei Schülerinnen aus ihrem Jahrgang zu ihm dazu gesellt, wobei Cirila ihn heftig mit den Armen wedelnd in ein aufgeregtes Gespräch verwickelt hatte und Su mit einem schlecht verborgenen Lächeln daneben stand und zuhörte, während der arme Junge vergebens versuchte nicht seine Augen alle zwei Sekunden zu verdrehen und mit einem Lachen den Kopf schüttelte.
„...also dann, wir sehen uns morgen, und vergiss bitte nicht abzuschließen, wenn du zu Hause bist, okay?“
„Ist gut, Mom. Bis morgen,“ verabschiedete er sich und legte endlich auf.
Ein kalter Windzug, der durch die kahlen Bäume die den Hof vom Lehrerparkplatz trennten wehte ließ ihn frösteln und er zog seine Kapuze über sein kinnlanges Haar, um sich vor der klirrenden Kälte zu schützen, bevor er sich neben die anderen Drei stellte.
„-ich meine, hallo? Das ist doch mega unerwartet. Okay gut...niemand weiß ja so genau, was der so -", war Cirila gerade am sagen als Elon unterbrach. „Hey, Mädels, ich würde ja wirklich gerne mitreden, aber ich muss leider schon Heim, also euch schöne Ferien!“ Warf er ein und mit einem lässigen Winken, das Niel mit einem kritischen wehe! Blick besah, drehte er um und machte sich prompt auf den Weg nach Hause.
Er war gerade Mal bis zur Hauptstraße gekommen als Niel ihn einholte. „Du mieser Verräter, wie kannst du mich einfach so mit zwei verrückten Klatschtanten alleine lassen?“ rief er aufgebracht und schubste ihn an der Schulter sodass er ein paar Schritte nach vorne stolperte. Elon hob eine Braue und sah ihn an, „Su? Ich dachte die wäre eher so eine Ruhige“. „Oh glaub mir Cirila redet mehr als genug für zwei, da ist Su ein Segen für meine Ohren,“ entgegnete Niel und schnaufte, woraufhin sich Wolken in der eisigen Luft bildeten. „Und wieso bist du auch in so einer Eile? Ich dachte es wären Ferien, hm?“schob er nach und pikste sein Ellbogen in Elons Seite. „Ich muss noch zum Supermarkt,“ erklärte er und konnte ein Gähnen nicht unterdrücken. Seine Hand vor den Mund nehmend drehte er sich zur Seite.
„Geez Elon, hast du dich denn gestern nicht mehr schlafen gelegt? Du siehst ja richtig kaputt aus,“ sagte Niel als Elon sich ihm wieder zuwandte.
„Ach, und wessen Schuld ist das nochmal?“ fragte er zurück.
Der Bastard hatte wirklich die Dreistigkeit, die Augen zu verdrehen und zu lachen. „Hey, ich hatte zumindest den Anstand, dir meine Couch zu bieten. Du hättest doch bleiben können.“
Elon stieß ein frustriertes Seufzen aus. „Du weißt doch wie meine Eltern drauf sind. Die wären schon ausgerastet, wenn sie wüssten, dass ich gestern Abend gar nicht zu Hause war. Und ich hatte echt keine Lust herauszufinden, was sie tun würden, wenn sie rausgekriegt hätten, dass ich bis vier Uhr früh bei dir war und dann einfach geblieben bin.“
„Schlafen hättest du aber trotzdem können nachdem du nach Hause bist,“ erwiderte Niel, worauf hin Elon die Schultern zuckte und seine Hände etwas tiefer in die Taschen vergrub. Als wäre das so einfach nach den 10 unendlich nerven zermürbenden Minuten, die er brauche, um unbemerkt in sein Zimmer zu schleichen. Nicht das seine Eltern wach oder überhaupt zu Hause gewesen wären, nur musste er dann immer dreimal so vorsichtig sein nicht erwischt zu werden, da seine schönen Wände ja geradezu Augen und Ohren hatten.
Unbemerkt hatten sich seine Füße inzwischen automatisch nach Hause getragen und erst als er aufsah und die Eingangstür zu dem kleinen zweistöckigen Reihenhaus bemerkte, registrierte es auch sein Gehirn. Elon seufzte und wollte umkehren, als sich Niel in den Weg stellte.
„Ich hab bin aus versehen schon nach Hause gelaufen, muss noch zum Penny und Brot und Tomaten kaufen. Wenn du so nett wärst und mir Platz machen könntest?“
„Ämm, nope, ganz sicher nicht. Wenn der Einkauf so wichtig ist, dann kann ich das für dich erledigen. Denkst du wirklich ich lass dich wie ein Zombie durch die Gegend laufen?“
„Jetzt nerv nicht, Junge, ich kann schon auf mich selbst aufpassen. Bin nur bisschen müde, ist doch kein Weltuntergang.“
„Nur ein bisschen müde?“ Niel verschränkte seine Arme und runzelte die Stirn, Elon konnte deutlich sehen, wie sich seine Miene änderte. „Elon, du hast vor Schlaflosigkeit das Bewusstsein verloren, das ist nicht nur ein bisschen müde!“ schnaubte er fassungslos und starrte ihm todernst in die Augen. „Los jetzt, rein da.“
„Das nennt man einschlafen, aber du musst ja immer so über-dramatisch sein,“ brummte Elon, gab jedoch nach und holte seine Schlüssel um die Tür aufzusperren und endlich aus der beißenden Kälte in den Flur zu treten. Als Niel hinter ihm die Tür schloss und seine Schuhe und Tasche auszog und neben Elons auf den Boden legte, drehte Elon sich zu ihm um.
„Was soll das werden, Niel?“ Elon blinzelte seinen Freund einige Male verwirrt an und sah zu, wie er seine fette Winter Jacke auszog und mit einem Kleiderhaken in den Schrank hing.
„Was das werden soll?“ fragte Niel zurück und sah Elon an, als wäre die Antwort selbstverständlich und er hätte gerade etwas äußerst dummes gefragt. „Ich bring dich ins Bett, ist doch offensichtlich", erklärte er nüchtern und stieß Elon mit einem unschuldigen Lächeln leicht in Richtung Treppe.
„Ist das 'n Scherz?“
„Nein ist es nicht. Jetzt beweg dich. Schlafzimmer.“
